Informationen

 

Zu Gast bei einem Aquarien-Profi

Beeindruckende Zuchtanlage von „Scalare“-Mitglied Hermann-Josef Hahner

Petersberg bei Fulda in Osthessen, ruhige Wohnlage unterhalb des Rauschenbergs mit Blick auf die Bergkirche St. Peter aus dem 9. Jahrhundert. In dieser vorstädtischen Idylle lebt der Natur- und Tierfreund Hermann-Josef Hahner mit seiner Familie. Das Haus ist von einem großzügigen Grundstück umgeben, auf dem sich ein massiv gebauter Stall sowie eine Koppel mit Pferden befinden. Klingelt man an der Haustür, wird man von den Hunden der Familie begrüßt. „Zuhause bei Tierfreunden“ ist sicherlich die zutreffende Umschreibung, wenn man die Familie Hahner besucht. Im Eingangsbereich des Hauses angekommen vermutet man allerdings noch nicht, was einen im Keller erwartet. Hier befindet sich nämlich eine professionelle Zierfisch-Zuchtanlage, die selbst langjährige Aquarianer staunen lässt.

Hermann-Josef Hahner gehört zu den Menschen, die keine halben Sachen machen und keinen Aufwand scheuen, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt haben. In den 1980er und 1990er Jahren beschäftigte er sich mit der Haltung und Zucht von Wellensittichen. Zwischen 400 und 500 dieser Tiere waren in einem eigens dafür gebauten Vogelhaus untergebracht. In ganz Deutschland präsentierte Hermann-Josef Hahner seine Zuchterfolge und wurde im Jahr 1990 Bundesgruppensieger auf der Bundesschau in Kassel mit der Wellensittich-Zuchtform „Australischer Schecke“ - einer von vielen Preisen und Auszeichnungen.

12.000-Liter-Zuchtanlage
Aquarianer ist der gelernte Kfz-Mechaniker seit seinem 14. Lebensjahr. Angefangen hat das Ganze, wie bei so vielen, mit einem einfachen Aquarium mit Guppys. Später züchtete Hermann-Josef Hahner verschiedene lebendgebärende Zahnkarpfen und betrieb schon in den 1980er Jahren eine kleine Zuchtanlage. Dann wurde er irgendwann mit dem „Diskus-Virus infiziert“. Bald schon richtete er sich einen Raum im Keller seines Hauses ein und startete mit einer kleinen 500 Liter Anlage. Schnell merkte Hermann-Josef Hahner, dass nicht nur die Haltung der Diskusfische einen hohen Aufwand bereitet, sondern dass es auch äußerst schwierig ist, gesunde und kräftige Tiere im Handel zu bekommen. Die Anfangszeit war durch Misserfolge geprägt was insbesondere daran lag, dass die Tiere aus dem Zoohandel krank und von schlechter Qualität waren. An diesem Punkt geben bereits viele auf, die sich einmal an der Haltung von Diskusfischen versucht haben. Nicht aber so der ehrgeizige Hermann-Josef Hahner. Durch Recherche und Kontakte in der aquaristischen Szene ging es bei dem Hobbyzüchter bald bergauf und erste Zuchterfolge stellten sich ein. Bei der erfolgreichen Haltung und Zucht von Diskusfischen spielt die Erfahrung, die man über Jahre sammeln muss, eine große Rolle. Inzwischen ist die Zuchtanlage von den ursprünglich 500 Litern auf 12.000 Liter gewachsen. Das größte Becken der knapp 30 Aquarien hat ein Volumen von 1.200 Litern.

Die Technik
Die Besonderheit bei der Haltung von Diskusfischen ist sicherlich die Tatsache, dass die Fische bei mindestens 30° Celsius zu halten sind. Bei den derzeitigen Energiekosten stellt das eine echte finanzielle Herausforderung dar. Hermann-Josef Hahner hat sich deshalb zur Anschaffung eines eigenen Blockheizkraftwerks (BHKW) entschieden. Die Zuchtanlage ist an die Zentralheizung mit einem separaten Warmwasserkreis angeschlossen und die Temperatur wird über handelsübliche Thermostate gesteuert. Über eine Ringleitung werden die Aquarien mithilfe eines leistungsstarken Kompressors mit Luft versorgt. Biologische Rieselfilter und zusätzliche Innenfilter sorgen für sauberes und klares Wasser.

Wasseraufbereitung
Die Wasseraufbereitung geschieht über eine Osmose-Anlage. Für die Zucht benötigt man Wasser mit einem PH-Wert zwischen 5 und 6 bei einem Leitwert von 80-120 µS (Mikrosiemens). Gereinigte Schwefelsäure und Torf sorgen für die erforderlichen Werte.

Hygiene
Das A und O bei der Haltung und Zucht von Diskusfischen ist eine einwandfreie Hygiene in den Aquarien. Das Wasser muss bakterien- und keimfrei/-arm sein, da die Tiere sehr empfindlich sind. An diesen wichtigen Anforderungen scheitern viele Aquarianer und auch Zoohändler. Sind die Fische erst einmal krank, ist es fast schon zu spät. Deshalb verzichten erfahrene Diskuszüchter auf unnötige Dekoration, Pflanzen und auf Bodengrund.

Nach alle dem Beschriebenen kann man mach sich gut vorstellen, dass der Aufwand für die erfolgreiche Haltung und Zucht von Diskusfischen sehr hoch ist. Es bedarf einer Menge an Erfahrung, Platz, technischem Aufwand und auch die finanziellen Mittel dürfen nicht unterschätzt werden.
Wer gesunde Tiere erwerben möchte muss einen entsprechen Preis dafür bei erfolgreichen Züchtern bezahlen, der oft deutlich über dem Zoohandel liegt. Es lohnt sich aber definitiv, wenn man lange etwas von den Fischen haben möchte.

Diskus-Wildfänge und Zuchtformen
Bei den Diskusfischen (lat. Symphysodon) von Hermann-Josef Hahner erlebt man eine Vielfalt an Naturformen, Wildfängen und Zuchtvarianten. Besonders stolz ist der Aquarianer auf seine Curipera-Diskusfische, die er als F2-Nachzuchten erwerben konnte und ebenfalls vermehren möchte. Ein Highlight sind sicherlich die „grünen Tefé“ Diskuswildfänge, die Hermann-Josef Hahner bereits erfolgreich nachgezogen hat. Insgesamt findet man in der Anlage ausschließlich große und gesunde Tiere, die man so in den meisten Zoohandlungen kaum zu sehen bekommt.

2. Platz bei Europa-Championat
Der große Star in der Anlage von Hermann-Josef Hahner ist ein extrem groß wirkender „Blue-Diamond“ Diskusfisch, mit dem der erfolgreiche Züchter im letzten Jahr den 2. Platz beim internationalen Europa-Championat in Dortmund belegen konnte. Bei diesem Championat kommen jährlich die besten Züchter aus der ganzen Welt zusammen und lassen ihre Tiere prämieren. Mit diesem Erfolg hat sich der ambitionierte Diskuszüchter aus Petersberg nicht nur einen Namen in der Branche gemacht, sondern auch gezeigt, dass er – wenn man es aus fußballerischer Sicht beschreiben müsste – sich mit seinen prächtigen Tieren und seinem Fachwissen auf „Bundesliga- oder sogar Championsleague“ Niveau bewegt.

Orinoco-Altum-Skalare
Es sind aber nicht nur die Diskusfische die es Hermann-Josef Hahner angetan haben. Auch die ebenfalls aus Südamerika stammenden Altum-Skalare (Pterophyllum altum), und hier speziell die aus dem Orinoco (zweitgrößter Fluss Südamerikas) stammenden Tiere, sind in der 12.000 Liter Anlage zu finden. In einem ca. 1.000 Liter großen Aquarium lebt eine Zuchtgruppe von zehn Altum-Wildfängen. Auch hier fällt die Größe der Fische auf. Es bedarf einiger Jahre, bis die Tiere geschlechtsreif sind. Ist es dann soweit, muss alles rundherum stimmen, damit sich paarungswillige Skalare finden, die dann in ein separates Zuchtbecken überführt werden müssen. „Die Zucht von Altum-Skalaren stellt die Königsklasse der Aquaristik dar“, berichtet der erfahrene Zierfischexperte Hermann-Josef Hahner, der viel Zeit und Geduld investieren musste, bis die Zucht in diesem Jahr erstmals erfolgreich gelingen konnte. Mehr als 500 Jungfische mehrerer Generationen befinden sich inzwischen in den Aufzuchtbecken. Ein Erfolg, der nicht alltäglich ist und auf den man zu Recht stolz sein darf. Eine weitere Gruppe von 40 jungen (2013) Wildfang-Altum-Skalaren befindet sich in einem großen Becken und werden dort aufgezogen.

Äußerst seltene Erdfresser
Es sind in erster Linie die schwer nachzuziehenden und seltenen Arten, die Hermann-Josef Hahner reizen, denn der erfolgreiche Züchter sucht immer wieder die aquaristische Herausforderung. Und so kam es, dass er sich zwei Pärchen der in diesem Jahr erstmalig eingeführten „Geophagus sp. Rio Caete“ (Erdfresser) zulegte. Dank seiner Möglichkeiten und großen Aquarien konnte die Art ihr natürliches Verhalten gut ausleben und so dauerte es nicht lange, bis auch hier die erfolgreiche Zucht gelang. Da die Art nach wie vor über den Fachhandel kaum zu beziehen ist und Hermann-Josef Hahner einer der ersten Züchter überhaupt war, kann man auch hier von einem großen Erfolg sprechen. Inzwischen befinden sich mehrere Generationen dieser äußerst seltenen Erdfresser-Art in der Zuchtanlage.

Seltene L-Welse
Eine weitere Leidenschaft von Hermann-Josef Hahner sind seltene L-Welse und auch hier vorzugsweise die, die noch niemand nachgezogen hat. Am bekanntesten sind sicherlich die Zebra-Welse (lat. Hypancistrus zebra), die auch unter der Bezeichnung „L 46“ geführt werden. Auch diese Art hat er bereits erfolgreich nachgezüchtet. Weiterhin findet man den seltenen „L 260“ und den „L 191“ in der Zuchtanlage. Der Goldstoerwels (Sturisoma aureum) wird ebenfalls regelmäßig von ihm nachgezogen.

Futter
Die Ernährung der Fische erfolgt überwiegend durch Frostfutter. Hierbei gibt es große Qualitätsunterschiede. Das Problem bei Frostfutter liegt darin, wenn es angetaut war und dann wieder eingefroren wurde. Eine Tatsache, die leider oft im Handel passiert und dann das Futter unbrauchbar macht, da es Keime und Bakterien enthält die den Fischen schaden. Die Jungfische werden überwiegend mit lebendem Artemia aufgezogen. Ergänzend wird Trockenfutter in Granulatform angeboten.

Zeitlicher Aufwand und gute Kontakte
Zwischen 4 und 5 Stunden beschreibt Hermann-Josef Hahner den Aufwand pro Tag der nötig ist, die große Zuchtanlage erfolgreich zu betreiben. Damit alleine ist es aber nicht getan. Wichtig sind ein fundiertes Fachwissen, Erfahrung und beste Kontakte in der Aquaristik-Szene. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der ambitionierte Züchter oft in Deutschland und Europa unterwegs ist, um sich mit Experten aus der Branche auszutauschen. Viele Profizüchter kommen aber auch gerne zu ihm nachhause um die Anlage zu bewundern und Tiere zu erwerben.
Hermann-Josef Hahner ist Mitglied im Fuldaer Aquarien- und Terrarienverein „Scalare“ und im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde e.V. (VDA). Außerdem ist er aktives Mitglied im Arbeitskreis Diskus (AKD), der zur Deutschen Cichliden-Gesellschaft e.V. (DCG) mit fast 2.000 Mitgliedern gehört. In diesem Jahr organisierte er das große Jahrestreffen des Arbeitskreises im Tümpelgarten in Fulda.

Betrachtet man den Zeit- und Geldaufwand, den Hermann-Josef Hahner investiert, kann man sich gut vorstellen, dass selbst mit einer so großen Zuchtanlage kein Geld zu verdienen ist. Der Erlös aus dem Verkauf der Nachzuchten muss in Energie und Instandhaltung investiert werden. Dennoch plant Hermann-Josef Hahner die Erweiterung seiner Anlage. Die zusätzlichen Aquarien sind bereits bestellt und schon bald wird sich das Wasservolumen auf 15.000 Liter vergrößern. Man darf gespannt sein, welche weiteren spektakulären Zuchterfolge dem Vollblutaquarianer in der Zukunft gelingen werden.

Die Zuchtanlage von Hermann-Josef Hahner ist auf jeden Fall ein Besuch wert und das persönliche Fachgespräch mit ihm eine echte Bereicherung für jeden, der die Aquaristik mit viel Liebe und Idealismus betreibt.

 
Text und Fotos: Sven Haustein

 

Lesetipp:

DCG-Arbeitskreis Diskus trifft sich im Tümpelgarten in Fulda

 

Links:

Webseite des DCG Arbeitskreises Diskus

Webseite der Deutschen Cichliden-Gesellschaft e.V.

 

   


Hermann-Josef Hahner betreibt eine 12.000 Liter Zuchtanlage
mit Diskusfischen, Altum-Skalaren, Geophagus-Buntbarschen
und verschiedenen L-Welsen.

 

Knapp 30 Aquarien befinden sich in der Anlage.

 

Das größte Aquarium fasst 1.200 Liter Wasser.

 

Mit Hilfe eines Blockheizkraftwerks wird die benötigte Energie
für die Zuchtanlage produziert.

 

Beheizt werden die Aquarien über die Zentralheizung.

 

Über eine Ringleitung werden die Becken mittels eines
Kompressors mit Luft versorgt. Man muss handwerklich sehr
geschickt sein, wenn man eine solche Anlage betreiben möchte.

 

Biologische Rieselfilter sorgen für perfektes Wasser.

 

Die meisen Aquarien sind an hochwertige Messgeräte angeschlossen,
die die Temperatur und den PH-Wert anzeigen.

 

Ein Diskuspärchen mit Jungen. Die Elterntiere betreiben Brutpflege.

 

Ein Aufzuchtbecken mit Jungfischen.

 

Wenige Wochen alte Altum-Skalare.

 

Lebende Artemia-Nauplien dienen als Aufzuchtfutter.

 

4 bis 5 Stunden pro Tag sind notwendig, um die Anlage
erfolgreich zu betreiben.

 

Einige Diskus-Arten aus der Anlage: Diese Zuchtform wird
als "Pigeon Blood" bezeichnet.

 

Ein "Rottürkis-Diskus"...

 

...und ein "Rotgepunkteter Diskus".

 

Der "Curipera-Diskusfische" kommt so in der Natur vor.

 

Bei den Fischen handelt es sich um F2-Nachzuchten.

 

Der Champion in der Zuchtanlage von Hermann-Josef Hahner:
Mit diesem „Blue-Diamond“ Diskus belegte er Platz 2 bei dem
Europa-Championat 2012 in Dortmund.

 

Stolz zeigt Hermann-Josef Hahner den Glaspokal vom Championat.

 

In der Anlage sind viele große und gesunde Diskusfische zu sehen.

 

Bei diesem seltenen Erdfresser „Geophagus sp. Rio Caete“ handelt
es sich um einen Erstimport.

 

Nachzuchten von „Geophagus sp. Rio Caete“ aus 2013.

 

Wenige Wochen alte „Geophagus sp. Rio Caete“ Erdfresser.

 

Neben den Diskusfischen und Altum-Skalaren findet man in der
Anlage auch seltenen L-Welse (das Foto zeigt einen "LDA 33").

 

Wurde von Hermann-Josef Hahner bereits erfolgreich gezüchtet:
Der Harnischwels "L 191".

© by Aquarien- und Terrarienverein "Scalare" 1925/55 e.V. Fulda